Self-Care im Museum: Warum Kunst gut für deine Psyche ist
Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass das Erschaffen von Kunst einen positiven Effekt auf unsere mentale Gesundheit hat. In der Psychotherapie vereinen die sogenannten „multimodalen Ansätze“ verschiedene Impulse aus Malerei, Musik, Tanz, Poesie oder Schauspiel, um u.a. die Symptome von Depressionen und Traumata zu lindern. Meistens werden diese Ansätze von speziell ausgebildeten Kunsttherapeut*innen angeboten.
Die Forschung geht noch einen Schritt weiter und fordert seit letztem Jahr Museumsbesuche auf Rezept. Das heißt, du musst nicht unbedingt Kunst machen. Es reicht, wenn du dich mit Kunst umgibst, um deiner Psyche etwas Gutes zu tun.
Was hat es mit diesem Rezept auf sich? Was passiert mir dir, wenn du durch ein Museum schlenderst? Und wie kannst du das, was die Studien sagen, auf deinen Alltag übertragen?
Diese Fragen will ich beantworten. Ich habe einige Studien zum Thema „Kunst und Psyche“ gelesen (natürlich nicht alle!) und das Wichtigste zusammengefasst. Die Quellenangaben findest du am Ende des Blogposts.

Kunst ist Self-Care
Einleitend will ich sagen, dass ich erstaunt war, die stark die positiven Effekte von Kunst (egal ob kreieren oder betrachten) auf das Wohlbefinden sind. Kunst verbessert die Lebensqualität, indem sie Stress reduziert und Gefühle von Selbstbewusstsein und Verbundenheit stärkt. All das kann man tatsächlich messen.
Neurologische Studien haben die Auswirkungen von Kunsttherapie auf Menschen untersucht, die in psychiatrischer Behandlung sind. Die Ergebnisse zeigen eine verbesserte Verarbeitung von Traumata und eine deutliche Linderung von depressiven Symptomen, v.a. in Verbindung mit klassischen Therapieverfahren.
Auch in meiner Klinikzeit habe ich in der Beschäftigungstherapie gemalt, radiert und gebaut. Das war nicht nur inspirierend und entspannend – ich habe mich auf eine außergewöhnliche Art neu kennengelernt. Nicht durch Nachdenken, Reden oder Problemlösen, sondern einfach durchs Machen. Mit meinen eigenen Händen. Wobei ich gleichzeitig gemerkt habe, dass meine handwerklichen Fähigkeiten stark begrenzt sind…
Wie gut, dass es da eine neue Erkenntnis aus den Niederlanden gibt:
Kunstwerke in Museen anzuschauen, steigert ebenso das Wohlbefinden. Für mich, die zwar gern kreativ ist, aber zwei linke Hände hat, ist das eine willkommene Erleichterung.
Vielleicht stimmst du mir zu: Kunst schafft einen Zugang zu deiner Innenwelt. Ein bestimmtes Kunstwerk kann etwas, das du denkst und fühlst, aber nicht in Worte fassen kannst, ausdrücken. Dadurch fühlst du dich besser verstanden, gesehen oder weniger allein mit deinen Gefühlen.
Zusätzlich kann die Kunst, die du kreierst, ein Ventil oder einen Ausdruck für dich und deine Innenwelt sein.
Welche Vorteile hat der Museumsbesuch gegenüber digitalen Medien und Prints?
Eine Studie will ich hervorheben, die die Wirkung von Kunstobjekten auf das Gehirn untersucht hat.
Die Sensation aus Den Haag:
Am renommierten Museum Mauritshuis in Den Haag, der Heimat von Vermeers berühmtem Gemälde „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“, wurden Teilnehmende mit mobilen EEG-Gehirnscannern (zur Messung von Hirnwellen) und Eye-Tracking-Brillen (zur Messung der Blickrichtung) ausgestattet. Sie gingen einen festgelegten Weg durch das Museum und betrachteten fünf Originalgemälde. Zum Vergleich schauten sie sich im Museumsshop Poster und Kunstdrucke derselben Werke an.
Das zeigt die Studie:
- Echte Gemälde (im Vergleich zu Drucken) wecken ein starkes Bedürfnis, sich ihnen zu nähern, körperlich und emotional.
- Auch das Ambiente im Museum, inklusive Beleuchtung und Rahmen, ruft eine viel stärkere emotionale Reaktion hervor im Vergleich zum Museumsshop.
- Vor allem „Das Mädchen mit dem Perlenohrring” sticht heraus. Je öfter und länger die Teilnehmenden es betrachten, desto mehr positive Aufmerksamkeit und Wertschätzung geben sie ihm. Sie erleben ein lohnendes Gefühl, eine Art Mehrwert fürs Leben.
- Besonders interessant: Im Gehirn wird der Precuneus aktiviert. Das ist ein Areal, das für persönliche Beteiligung, Bewusstsein und biografische Erinnerungen zuständig ist. Man sagt auch, es sei der Sitz der „Ich-Identität“. Das bedeutet, dass es sich anfühlt, als sei man Teil der Kunst, ganz nah. Es ist eine persönliche Einladung zur Selbstreflexion.
Der Weg ins Museum lohnt sich – hin zum Originalkunstwerk, das von einer kreativen Seele geschaffen wurde. Es geht hier nicht unbedingt nur um den Inhalt, sondern um die Geschichte hinter dem Werk. Vielleicht ist es auch der Reiz, sich vorstellen zu können, wie sich ein bestimmter Künstler bzw. eine bestimmte Künstlerin dieses Werk ausgedacht hat und wie sie es persönlich in den Händen hielt.
Ein Bildschirm oder ein Poster in deinem Wohnzimmer können die Tiefenwirkung eines echten Kunstwerks nicht ersetzen.
Können immersive Konzepte mit dem konventionellen Museum mithalten?
Du kennst bestimmt digitale Ausstellungen, wie sie in den sozialen Medien gerne gezeigt werden, da sie optisch beeindruckend und ästhetisch sind. Lichter und Klänge verschmelzen miteinander und erlauben dir eine Flucht in eine magische Welt. Schließlich kommt der Begriff „Immersiv“ aus dem Lateinischen und bedeutet „eintauchen“.
Tatsächlich finden auch hier Studien einen positiven Effekt von immersiven Ausstellungen auf unser Wohlbefinden, in Form von Stressreduktion und weniger Grübeln.
Aber: Sobald es um die Aktivierung des Precuneus geht, bricht die immersive Variante ein. Denn das Gehirn kann sehr wohl unterscheiden, ob die gezeigte Kunst etwas Konkretes ist wie das Original oder eine Projektion davon, und es reagiert nur auf das Original mit einer tieferen emotionalen, ich-bezogenen Bindung.
P.S: Wer in der immersiven Ausstellung nur damit beschäftigt ist, perfekte Selfies zu machen, hat von dem stressreduzierenden Effekt natürlich nichts 😅
Originale vs. immersive Kunst – was ist “besser” für die Psyche?
Digitale Kunst, die dich umgibt, ist zwar “nice to have“, aber ein originales Kunstwerk, das von Menschenhand geschaffen wurde, bleibt einzigartig! Die immersive Ausstellung ist wie eine akute „Stress-Bremse“, die dich für einen Moment aus dem Alltag herausholt. Sie sieht schön aus und fühlt sich schön an. Das traditionelle Museum ist wie ein „Achtsamkeits-Retreat“. Es belohnt dich mit tiefer persönlicher Reflexion und einer nachweisbar stärkeren Aktivierung der emotionalen Netzwerke im Gehirn.
Ich muss dazu sagen, dass die Studienlage zum Vergleich „Echt vs. Projektion“ noch relativ dünn ist.
Egal, für welche Ausstellung du dich entscheidest, ich finde es toll, dass das Museum so viel für unsere Selbstfürsorge tun kann. Es kostet im Vergleich zum Kunstschaffen meist weniger Überwindung, Material und wahrgenommenes Talent.
Jetzt ist es an der Politik und dem Gesundheitssystem, sinnvoll auf die Forschungslage zu reagieren und Ideen wie das „Museum auf Rezept“ voranzutreiben. Mentale Gesundheit darf innovativ sein!
Was soll der Museumsbesuch auf Rezept?
England und Kanada sind Vorreiter in diesem besonderen Konzept, bei dem ein Besuch im Museum als anerkannte, nicht-medikamentöse Therapie gegen Leiden wie Depressionen, Einsamkeit oder chronische Schmerzen von Arzt oder Ärztin verschrieben werden kann. Der Museumsbesuch auf Rezept gehört hier zum „Social Prescribing“, das ist eine Initiative, die Patienten an umliegende Kunst- und Kulturaktivitäten vermittelt.
Das sind die Folgen: 37% weniger Hausarztbesuche und 27% weniger Krankenhauseinweisungen, laut „Culture Health & Wellbeing Alliance“ (in UK, Stand 2023).
Auch bei uns soll das Konzept erprobt werden, z.B. im Bode-Museum in Berlin und ich finde, es ist höchste Zeit!
In Quebec erkennen Forschende, dass schon ein einziger Besuch für mehr Wohlbefinden und wahrgenommene Lebensqualität sorgt.
Im Whitworth Park und der Whitworth Art Gallery in England findet man sowohl in persönlichen Interviews mit den Besuchenden als auch in den Daten ähnliche Effekte: Mehr Wohlbefinden, mehr Selbstbewusstsein, weniger Einsamkeit und soziale Isolation, mehr Verbundenheit mit anderen Menschen. Vor allem die Gefühle „glücklich, aktiv, enthusiastisch, positiv aufgeregt und inspiriert“ wurden nach dem Besuch deutlich stärker wahrgenommen.
Weitere Studien zeigen ebenfalls Verbesserungen in Stimmung, Selbstwirksamkeit, Handlungsfähigkeit, Stressmanagement, Fokus, Sinn- und Hoffnungsempfinden, sowie Zuversicht und Verbundenheit mit sich selbst.
Meistens wird mit Personen geforscht, die in psychotherapeutischer Behandlung sind, um hier eben noch besser helfen zu können. Die Forschung zeigt aber auch, dass ALLE Menschen von einem Ausflug ins Museum profitieren. Es ist also sehr wichtig, dass Kunstangebote mehr gefördert werden und dass WIR öfter an solchen teilnehmen.
Das Museum – dein neuer Wohlfühlort
Wir sind uns einig, dass die Wissenschaft klare Beweise liefert: Das Museum tut dir gut. Ich will dir im zweiten Teil des Blogposts ein paar Impulse für deinen nächsten Besuch geben, damit du maximal von der Kunst profitieren kannst.
Denn das eigentlich Interessante ist ja, wie sich die Zahlen und Daten aus der Wissenschaft auf dein Erleben im Alltag übertragen lassen.
Wir schauen uns verschiedene Wirkmechanismen an und ich stelle dir kleine „Hausaufgaben“, für deinen nächsten Museumsbesuch. Teile gerne deine Erfahrungen mit mir, entweder per E-Mail oder Instagram an @drkatharinastenger.
Ich freue mich, von dir zu lesen!
Wenn du eine Ebene tiefer gehen möchtest und ein ganz individuelles, kreatives Programm zur Selbstreflexion möchtest, empfehle ich dir mein „Walk & Talk“-Programm in Saarbrücken, Reutlingen und Stuttgart. Wir besuchen gemeinsam ein Kunstmuseum, du machst ein mentales Training unter meiner Anleitung, lässt dich treiben und zum Abschluss gönnen wir uns eine Erfrischung im Museumscafé.
So hält das Museum dich jung
Sobald ich mein liebstes Kunstmuseum in meiner Heimatstadt Saarbrücken durch die schwere Eingangstüre betrete, merke ich, dass Geräusche, Gedanken und stressige Gefühle ein bisschen ruhiger werden. Ich nehme meine Umgebung viel deutlicher wahr. In meinem Kopf ist auf einmal mehr Platz – für Besonderes, Wertvolles oder Schönes. Für Farben, Formen, Texturen und Kompositionen.
Wie erklärt sich dieser Effekt?
Fast jedes Museum lenkt deine Aufmerksamkeit, ohne dass du es merkst. Die Räume sind auf die ausgestellte Kunst reduziert. Keine blendende, anstrenge Beleuchtung, keine dudelnde Musikbeschallung wie im Supermarkt oder Fahrstuhl.
Das Museum funktioniert wie eine Ruheinsel im Ozean des Alltagsstresses und wird dadurch sogar zu einer Art „Jungbrunnen“.
Stress führt dazu, dass wir schneller altern
In einer Studie von O’Hara et al. wird erklärt, dass andauernder Stress in unseren Körperzellen tatsächlich viel Unheil anrichten kann.
Dieser Stress ist nicht direkt spürbar oder schmerzhaft, aber er wirkt wie ein stiller Brandbeschleuniger für körperliche und psychische Krankheiten, wie Alzheimer oder Depressionen. Die Idee des „oxidativen Stress“ wird wissenschaftlich noch diskutiert, weil man nicht genau weiß, WIE GENAU der Stress mit Alterungsprozessen zusammenspielt und chronische Leiden begünstigt.
Die Museumsumgebung gibt Stress-Reizen wenig Chancen. Im Gegenteil – du wirst zum Nachdenken angeregt, entschleunigt und kurz in eine andere Welt eingetaucht. Deine Aufmerksamkeit verlagert sich weg von stressigen Reizen und fokussiert sich zu einem einzigen Kunstgegenstand oder einer Installation vor dir.
BONUS: Du machst gleichzeitig einen ausgedehnten Spaziergang, v.a. wenn du nach einer Pause im Museumscafé noch eine zweite Runde gehst.
Emotionsregulation mit Kunst
Natürlich kann und darf Kunst dich auch provozieren. Sie kann Trauer, Angst oder Ekel hervorrufen (mit Absicht).
Die Besonderheit ist, dass die Gefühle in diesem Umfeld kommen und wieder gehen, d.h. du deutest sie nicht als direkte Bedrohung.
So gesehen ist der Museumsbesuch eine gute Gelegenheit, um Emotionsregulation zu üben.
Raus aus dem Feed, rein ins Museum: Kunst als “Digital Detox”
Wenn wir ständig auf Social Media abhängen, statt im „echten Leben“, tut uns das nicht gut. Und auch wenn du deinen Feed ganz bewusst mit Kunst-Accounts füllst, ist das längst kein Ersatz für die positiven Effekte des echten Erlebens von Kunst (s.o.).
Walter Benjamin schreibt: „Das Hier und Jetzt des Originals macht den Begriff seiner Echtheit aus. Echtheit ist nicht reproduzierbar. Was im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit verkümmert, das ist seine Aura.“
Interessant ist, dass Walter Benjamin genau das im Jahre 1936 sagt, vor gut neunzig Jahren! Schon damals war es Thema, dass nur das Original eines Kunstwerks – im Gegensatz zu einer Fotografie oder eines Films – die Wirkkraft haben kann, die uns der Künstlerin oder dem Künstler näher bringt.
„Ich kann schon nicht mehr denken, was ich denken will. Die beweglichen Bilder haben sich an den Platz meiner Gedanken gesetzt“. Dieses Zitat auf Seite 67 kann man herrlich auf die Dauerbeschallung der Medien übertragen.
Was heißt das für dich? Ein achtsamer Bodyscan im Museum
Suche dir eine interessante Ausstellung aus und lass bei deinem Besuch das Smartphone im Schließfach. Entdecke ein Kunstwerk, das dich am meisten fasziniert. Vielleicht hat es sogar eine Aura, wie Walter Benjamin beschreibt. Betrachte dieses Kunstwerk von allen Seiten, von Nah und Fern. Lass Formen, Farben, Texturen, vielleicht sogar Geruch und Gefühl des Museumsraum wirken. Du kannst dabei deinen ganzen Körper scannen – von den Fußsohlen bis zur Stirn.
Kreative Freude und Excitement: So hält das Museum dein Hirn auf Trab
Bei jedem Museumsbesuch entdecke ich etwas Neues. Langweilig war mir in solchen Räumen wirklich noch nie.
Wenn wir in eine Welt von neuen oder überraschenden Reizen eintauchen, fokussiert das Gehirn die Aufmerksamkeit, und je unkonventioneller ein Reiz ist, desto länger erscheint uns die Zeit, die wir mit ihm verbringen, wenn wir ihn ganz ausführlich betrachten. Wir verlieren uns regelrecht darin.
Interessanterweise erinnern wir uns später sogar sehr gut an diese unerwarteten Reize – im Gegensatz zu dem, was wir heute Morgen auf Instagram gesehen haben (ich kann den Vergleich nicht lassen!)
In der Kunstwelt stößt du auf eine Fülle an herrlichen Farben, Intentionen und Gefühlen: Faszination, Ironie, Humor, ästhetische Schönheit, Herausforderung, Verwirrung, Inspiration, Neugierde etc.
Dein Gehirn saugt das auf wie ein Schwamm. Frische Gedanken und kreative Ideen dürfen entstehen. Ein „out of box“-Denken, das dir sogar helfen kann, dein aktuelles Leben und deine Probleme neu zu interpretieren.
“If you give people structure, then they won’t get bored you see, and also it gives them some meaning, as well.”
– Thomson et al.
Was heißt das für dich? Spüre und lebe Kreativität
Suche dir ein Kunstobjekt aus, das dich auf eine besondere Art und Weise fasziniert oder berührt und versuche, mehr darüber zu erfahren. Lies dir Texte zu dem Werk durch oder höre den Audioguide. Recherchiere nachher gemütlich bei deiner Tasse Kaffee oder besorge dir Literatur im Museumsshop. Vielleicht hast du sogar Lust, etwas Ähnliches selbst zu kreieren.
So macht dich das Museum weniger einsam
Auch wenn ich allein im Museum unterwegs bin, empfinde ich diesen Ort als Raum der Begegnungen. Ich fühle mich verbunden – entweder mit mir selbst, mit den Künstlerinnen und Künstlern, deren Werke ich sehe und auch mit anderen Museumsgästen.
Das Museum ist ein Ort, an dem man nie ganz allein ist und sich deshalb weniger einsam fühlt. Gleichzeitig sind dort viele Einzelgänger unterwegs und es ist weniger unangenehm, solo zu sein als z.B. im Kino oder im Restaurant.
„I’ve come out my shell which is really major, do you know what I mean? ‘Cos usually I just curl up and feel sorry for myself and not go anywhere.“ – Zitat aus der Studie von Thomson et al.
Ich schicke meine Klientinnen gerne ins Museum, um an ihrem Selbstvertrauen und an ihrem Selbstbewusstsein zu arbeiten. Denn es ist wichtig für unsere Psyche, Dinge auch alleine unternehmen und genießen zu können. Lies mehr dazu hier: Alleinsein in Gesellschaft
Die meisten Museen bieten außerdem Führungen und Workshops an – eine gute Gelegenheit, Gleichgesinnte zu treffen.
Mir macht es auch einfach Spaß, meinen Freunden und Followern von meinen neuen Lieblingswerken zu erzählen. Kunsterfahrungen, egal ob alleine oder gemeinsam, lassen neue Verbundenheit und weniger Isolation entstehen.
Was heißt das für dich? Ein Kunstgespräch fürs Selbstbewusstsein
Erzähle jemandem von deinem Besuch, beginne ein Gespräch im Museumsshop oder im Café. Frage die Person am Empfang nach ihrem liebsten Kunstwerk in der Sammlung. Du wirst überrascht sein, wie gerne sich die Meisten mit dir darüber austauschen.
Museum als Safe Space: Warum Kunsterleben ein Akt der Selbstliebe ist
Das Museum ist mehr als eine Ansammlung von interessanten oder „schönen Dingen“. Es ist eine Struktur für Selbstreflexion, für kollektives Bewusstsein und soziale Begegnungen.
Hier kannst du das fühlen, wofür du keine Worte findest. Du kannst dich als Mensch neu verstehen und dein Leben aus frischen, kreativen Perspektiven betrachten. Du darfst einmal mal loslassen und in eine Welt fliehen, die dir neuen Halt gibt.
Hier wirst du nicht bewertet. Du darfst einfach du selbst sein, mit deiner Geschichte, deinen Interessen und mit deinen Wunden. Du bist ein Teil von etwas Größerem und wenn du willst, kannst du mit dem, was du erlebst, neue Kunst für dich schaffen.
Ich möchte dich motivieren, einen Schritt für dich selbst und für die Kunst zu gehen. Wenn du das nicht allein machen möchtest, habe ich ein Angebot für dich.
Walk & Talk im Museum – Kunst trifft psychologische Beratung
Bei meinem „Walk & Talk“-Angebot besuchen wir gemeinsam die moderne Galerie in Saarbrücken*. Du bekommst Übungen zu Achtsamkeit, Selbstreflexion und Selbstbewusstsein, die du im Alleingang oder die wir gemeinsam bearbeiten. Du lernst dich selbst besser kennen, löst emotionale Blockaden und Probleme – und das alles in einem Safe Space.
Museumseintritt und ein Getränk im Café sind inklusive.
(auch im Kunstmuseum Reutlingen und der Staatsgalerie Stuttgart möglich)
Exkurs: Studien richtig lesen
Ich habe während meines Psychologiestudiums gelernt, wie man Studienergebnisse richtig interpretiert. Denn oft lesen wir eine Headline wie „Kunst heilt Depressionen“ und denken „Wow! Das ist besser als Therapie oder Medizin.“
Ganz so einfach ist es nicht. Jede gute wissenschaftliche Studie hat einen Diskussionsteil, und ich habe alle gelesen, die ich hier zitiert habe.
Manche Studien haben eine relativ kleine Stichprobe. In der Arbeit von Thomson et al. wurden z.B. nur zwanzig Leute untersucht. Andere Studien hatte keine Kontrollgruppe, also keinen neutralen Vergleich (Baseline) oder die Ergebnisse beruhen auf rein subjektiven Berichten statt auf standardisierten Messwerten. Dazu kommt, dass unterschiedliche Methoden zur Sammlung und Auswertung der Daten genutzt werden. Das erschwert den Vergleich zwischen Studien.
Bei der bekannten Studie aus Den Haag handelt es sich um eine Auftragsstudie. Das heißt, dass das Forschungsinstitut von dem Museum beauftragt wurde und nicht unabhängig geforscht wurde.
Die Ergebnisse, die sich in einem Museum gezeigt haben, müssen sich außerdem nicht auf alle Museen übertragen.
Auch werden andere Einflussfaktoren nicht immer berücksichtigt: Alter, biologisches oder gewähltes Geschlecht, Herkunft, Zugang zu Therapie und zu Kunst etc. – das alles sind Faktoren, die die Studienergebnisse beeinflussen bzw. verzerren können.
Zusammengefasst:
Wie genau der Museumsbesuch die Gesundheit beeinflusst, ist komplex und noch nicht ganz ausführlich erforscht. Nicht jede Headline und jeder Insta-Post über das Thema sagt die absolute Wahrheit.
Letztendlich bleibt deine Kunsterfahrung einzigartig, und das ist etwas Schönes!

mit Picasso in der Staatsgalerie Stuttgart
Quellen
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